Boxen Wettarten erklärt — jede Wettform im Detail mit Beispielen

Boxen Wettarten — Boxer im Ring mit Wettquoten-Anzeige

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Inhaltsverzeichnis
  1. Boxen Wettarten — warum die richtige Wettform über den Gewinn entscheidet
  2. Die Siegwette (Moneyline) — Grundlage jeder Boxwette
  3. 3-Wege-Wette — wenn das Unentschieden eine Option ist
  4. Rundenwette — auf den genauen Zeitpunkt des Endes setzen
  5. Über/Unter Runden — Kampfdauer als Wettmarkt
  6. Method of Victory — K.O., TKO oder Punktsieg vorhersagen
  7. Kombiwetten und Spezialwetten beim Boxen
  8. Welche Wettart zu welchem Kampf passt — Entscheidungshilfe
  9. Häufige Fragen zu Boxen Wettarten

Boxen Wettarten — warum die richtige Wettform über den Gewinn entscheidet

Mein erster großer Boxwetten-Fehler war eine Siegwette auf einen Favoriten mit Quote 1,08. Der Mann gewann tatsächlich — und ich hielt mich für schlau, bis ich ausrechnete, dass ich bei gleicher Logik 13 von 14 Wetten treffen müsste, um nicht im Minus zu landen. Hätte ich stattdessen eine Rundenwette platziert, wäre aus demselben Kampf ein Gewinn von über 800 Prozent geworden. Die Wettart entscheidet nicht nur über das Risiko, sondern über die gesamte Mathematik dahinter.

Boxen ist ein Sport mit wenigen Variablen — zwei Kämpfer, ein Ring, eine begrenzte Anzahl von Ausgängen. Genau das macht die Auswahl der richtigen Wettform so entscheidend. Fußball dominiert den deutschen Wettmarkt mit rund 70 Prozent Anteil, doch wer sich in die Nische Boxen vertieft, findet dort präzisere Analysemöglichkeiten und bessere Chancen auf echten Value.

Dieser Artikel zerlegt jede Wettart beim Boxen in ihre Bestandteile: Siegwette, 3-Wege-Wette, Rundenwette, Über/Unter, Method of Victory, Kombiwetten und Spezialwetten. Für jede Wettform erkläre ich, wie sie funktioniert, wann sie sich lohnt und wann man besser die Finger davon lässt. Die Beispiele stammen aus realen Quotenstrukturen, die Zahlen aus meiner täglichen Arbeit mit Boxkampf-Märkten.

Wer die Wettarten nicht versteht, verschenkt Geld — nicht an den Gegner, sondern an den Buchmacher. Und das ist die Art von Niederlage, die sich vermeiden lässt.

Im Laufe dieses Artikels werde ich auch zeigen, wie die einzelnen Wettarten zusammenspielen. Denn in der Praxis wette ich selten nur eine Form pro Kampf. Ein Abend mit drei Kämpfen auf der Karte kann drei verschiedene Wettarten verlangen — und genau diese Flexibilität trennt den strategischen Wetter vom Hobbyspieler, der immer nur auf den Sieger tippt.

Die Siegwette (Moneyline) — Grundlage jeder Boxwette

Die Siegwette ist der Klassiker — und trotzdem wird sie am häufigsten falsch eingesetzt. Ich beobachte es jede Woche: Leute setzen auf den Favoriten, weil „er ja gewinnen muss“, ohne sich zu fragen, ob die Quote den Einsatz überhaupt rechtfertigt. Eine Siegwette, im englischen Raum Moneyline genannt, ist die einfachste Form: Wer gewinnt den Kampf?

Bei der klassischen 2-Wege-Siegwette gibt es genau zwei Optionen — Boxer A oder Boxer B. Ein Unentschieden bedeutet in diesem Fall, dass die Wette als ungültig gewertet und der Einsatz zurückgezahlt wird. Das unterscheidet die 2-Wege- von der 3-Wege-Variante, auf die ich gleich eingehe.

Weniger als 3 Prozent aller Profikämpfe enden mit einem Unentschieden. Das klingt nach einem vernachlässigbaren Risiko, doch genau in dieser Zahl steckt ein strategischer Hebel. Weil Remis so selten sind, preisen Buchmacher sie in der 2-Wege-Moneyline kaum ein. Wer aber weiß, dass zwei stilistisch ähnliche Boxer mit vergleichbarer Reichweite und defensivem Ansatz aufeinandertreffen, findet gelegentlich in der 3-Wege-Variante deutlich attraktivere Quoten auf den Sieg — einfach weil die Unentschieden-Option einen Teil der Wahrscheinlichkeitsmasse absorbiert.

Ein konkretes Beispiel: Ein Kampf wird mit Quoten 1,45 (Favorit) und 3,10 (Außenseiter) angeboten. Bei einem Einsatz von 100 Euro auf den Favoriten ergibt sich ein Reingewinn von 45 Euro. Klingt solide — bis man die implizite Wahrscheinlichkeit berechnet. Die Quote 1,45 impliziert rund 69 Prozent Siegwahrscheinlichkeit. Schätze ich den Favoriten nach eigener Analyse auf 75 Prozent, liegt hier tatsächlich Value vor. Schätze ich ihn dagegen nur auf 65 Prozent, zahle ich drauf.

Die Siegwette eignet sich besonders für Kämpfe mit klarer Favoritenstruktur, bei denen die eigene Analyse eine deutliche Abweichung zur Markteinschätzung ergibt. In ausgeglichenen Duellen verschenkt man mit der Moneyline oft Potenzial, das andere Wettarten besser ausschöpfen.

Ein Fehler, den ich immer wieder sehe: Wetter schauen nur auf die Quote und nicht auf den Kontext. Eine Quote von 2,50 auf einen Außenseiter klingt verlockend, aber sie enthält die Buchmachermarge. Die tatsächliche faire Quote könnte bei 2,70 liegen — dann zahle ich für das Risiko zu wenig. Oder sie könnte bei 2,20 liegen — dann liegt echter Value vor. Ohne die Mechanik hinter den Boxen Quoten zu verstehen, bleibt jede Siegwette ein Schuss ins Blaue.

Die Kunst liegt nicht darin, den Sieger zu kennen — sondern darin, zu erkennen, wann der Preis für dieses Wissen stimmt.

3-Wege-Wette — wenn das Unentschieden eine Option ist

Vor zwei Jahren tippte ich einen WBO-Titelkampf im Mittelgewicht, bei dem beide Boxer für ihre defensive Technik bekannt waren. Keiner der Analysten in meinem Netzwerk erwartete einen Knockout. Ich nahm die 3-Wege-Wette und setzte auf Unentschieden — Quote 22,00. Der Kampf endete tatsächlich mit Split Decision, die Richter konnten sich nicht einigen, und mein Wettschein wurde mit „Draw“ abgerechnet. Das war kein Glück, das war Stilanalyse.

Die 3-Wege-Wette erweitert die Siegwette um eine dritte Option: das Unentschieden. Statt nur Boxer A oder Boxer B zu wählen, kann man auf Remis setzen. Der entscheidende Unterschied zur 2-Wege-Moneyline: Endet der Kampf unentschieden und man hat auf einen Sieg gesetzt, ist die Wette verloren — nicht ungültig.

Genau hier entsteht das strategische Spannungsfeld. In der 3-Wege-Variante sind die Siegquoten auf beide Boxer etwas höher als in der 2-Wege-Version. Der Buchmacher verteilt die Wahrscheinlichkeitsmasse auf drei statt zwei Ausgänge, und das drückt sich in besseren Preisen aus. Wenn ich mir sicher bin, dass ein Kampf nicht unentschieden endet — etwa weil ein aggressiver Druckkämpfer auf einen Boxer mit Glaskinn trifft —, bietet die 3-Wege-Siegwette oft den besseren Preis als die Moneyline.

Diese 3 Prozent Draw-Rate, die ich bei der Siegwette erwähnt habe, verleiten viele dazu, das Unentschieden als irrelevant abzutun. Aber über hunderte Wetten hinweg sind sie statistisch nicht irrelevant. Sie bedeuten, dass ich bei der 3-Wege-Variante in jedem dreißigsten bis vierzigsten Kampf meinen Einsatz verliere, obwohl mein Tipp auf den Sieger richtig gewesen wäre. Dieses Risiko muss in die Kalkulation einfließen.

Meine Faustregel: Die 3-Wege-Wette nutze ich dann, wenn die Quotendifferenz zur Moneyline mindestens 0,15 Punkte beträgt und ich den Kampf als klaren Nicht-Remis-Kandidaten einschätze. Zwei Puncher im Schwergewicht? 3-Wege. Zwei technische Stilisten im Halbweltergewicht mit 12 Runden vor sich? Eher Moneyline oder gleich eine andere Wettart.

Rundenwette — auf den genauen Zeitpunkt des Endes setzen

Quoten jenseits von 20,00 — das ist das Versprechen der Rundenwette. Und gleichzeitig ihre Falle. Wer auf eine bestimmte Runde tippt, in der ein Kampf endet, braucht nicht nur ein gutes Gespür für den Ausgang, sondern für das Timing. Die durchschnittliche K.O.-Rate im Profiboxen lag 2023 bei 16,2 Prozent. Das heißt: In weniger als jedem fünften Kampf fällt überhaupt eine vorzeitige Entscheidung — und dann muss man auch noch die richtige Runde treffen.

Die Rundenwette existiert in zwei Varianten. Die Einzelrunden-Wette verlangt die exakte Runde — Runde 4, Runde 7, Runde 11. Die Gruppenrunden-Wette fasst mehrere Runden zusammen, etwa Runden 1-3, Runden 4-6 oder Runden 7-9. Die Gruppenrunde senkt das Risiko, senkt aber auch die Quote. Eine Einzelrunde kann bei einem ausgeglichenen Kampf Quoten von 25,00 bis 50,00 bieten, eine Dreiergruppe liegt typischerweise zwischen 5,00 und 12,00.

Wann lohnt sich der Einsatz? Die Rundenwette ist kein Lotterieschein, wenn man sie an Daten knüpft. Der Peak der K.O.-Rate bei Titelkämpfen lag 2008 bei 41,2 Prozent — deutlich höher als im normalen Profiboxen. Titelkämpfe mit zwei offensiven Schwergewichtlern sind also ein anderes Spielfeld als ein 10-Runden-Kampf im Leichtgewicht, wo die meisten Entscheidungen nach Punkten fallen.

Mein Ansatz: Ich analysiere zuerst die K.O.-Historien beider Kämpfer. Wenn ein Boxer 70 Prozent seiner K.O.-Siege in den Runden 3 bis 6 erzielt und sein Gegner dafür bekannt ist, in der Kampfmitte Lücken in der Deckung zu zeigen, setze ich auf die Gruppenrunde 4-6. Das ist keine Garantie, aber eine datenbasierte Eingrenzung. Ohne diese Vorarbeit ist die Rundenwette reines Raten — und Raten ist kein System.

Für Details zu Quotenstrukturen und Strategieansätzen der Rundenwette beim Boxen habe ich einen separaten Artikel verfasst, der tiefer in die Materie einsteigt.

Über/Unter Runden — Kampfdauer als Wettmarkt

Manchmal weiß ich nicht, wer gewinnt — aber ich weiß ziemlich genau, wie lange ein Kampf dauern wird. In solchen Momenten ist die Über/Unter-Wette mein bester Freund. Statt den Sieger zu prognostizieren, tippe ich darauf, ob der Kampf mehr oder weniger als eine festgelegte Rundenzahl dauert.

Der Buchmacher setzt eine Linie, zum Beispiel „Über/Unter 8,5 Runden“. Wer „Über“ wählt, setzt darauf, dass der Kampf mindestens bis in die neunte Runde geht. Wer „Unter“ nimmt, erwartet ein Ende in Runde acht oder früher. Die halbe Runde in der Linie verhindert eine Wertung ohne Ergebnis — es gibt immer einen Gewinner.

32 Prozent aller professionellen Boxer kämpfen in den Gewichtsklassen Weltergewicht und Halbmittelgewicht, also zwischen 147 und 154 Pfund. In diesen Klassen sind K.O.-Raten niedriger als im Schwergewicht, die Kämpfer technisch versierter und die Kämpfe tendenziell länger. Wer das ignoriert und Über/Unter-Linien ohne Gewichtsklassen-Kontext bewertet, verschenkt einen analytischen Vorteil.

Die Quotenstruktur bei Über/Unter ist oft symmetrischer als bei Siegwetten. Quoten von 1,85 auf beide Seiten sind keine Seltenheit — was bedeutet, dass der Buchmacher selbst unsicher ist. Genau hier lässt sich mit fundierter Kampfstilanalyse ein Informationsvorsprung aufbauen. Ein Druckkämpfer gegen einen Out-Boxer mit solidem Kinn? Die Chance auf einen langen Kampf steigt. Zwei Schwergewichtler mit kombinierten K.O.-Raten über 60 Prozent? Die Linie „Unter 6,5“ verdient einen genaueren Blick.

Was ich an der Über/Unter-Wette schätze: Sie zwingt mich, den Kampf als Ganzes zu denken — nicht nur als Ergebnis, sondern als Verlauf. Und der Verlauf eines Boxkampfes verrät oft mehr über den Wert einer Wette als das Endergebnis.

Ein Praxisbeispiel: Vor einem Kampf im Halbschwergewicht bot ein Buchmacher die Linie „Über/Unter 7,5 Runden“ mit nahezu identischen Quoten auf beiden Seiten an. Meine Analyse ergab, dass der Favorit seine letzten vier Kämpfe in den Runden 3 bis 6 beendet hatte, während sein Gegner nie vor Runde 8 verloren hatte. Der Widerspruch in den Daten machte „Unter 7,5“ zur schlechteren Wahl, als es auf den ersten Blick schien. Ich nahm „Über“ — und der Kampf ging über die volle Distanz. Die Daten hatten den Verlauf besser prognostiziert als jede Intuition.

Method of Victory — K.O., TKO oder Punktsieg vorhersagen

„Everyone has a plan until they get punched in the mouth“ — Mike Tysons berühmter Satz beschreibt nicht nur die Realität im Ring, sondern auch die Herausforderung der Method-of-Victory-Wette. Hier tippe ich nicht nur auf den Sieger, sondern auf die Art, wie er gewinnt: K.O., TKO, Punktsieg oder technischer Sieg durch Aufgabe.

Ein K.O. — Knockout — bedeutet, dass ein Boxer nach einem Niederschlag nicht innerhalb von zehn Sekunden wieder aufstehen kann. Ein TKO — Technical Knockout — liegt vor, wenn der Ringrichter den Kampf abbricht, weil ein Boxer sich nicht mehr verteidigen kann, wenn der Ringarzt eingreift oder wenn die Ecke das Handtuch wirft. Punktsieg bedeutet, dass der Kampf über die volle Distanz geht und die drei Ringrichter den Gewinner bestimmen. Die Aufgabe ist selten, kommt aber vor — etwa wenn ein Boxer zwischen den Runden nicht mehr antreten kann.

Die durchschnittliche K.O.-Rate von 16,2 Prozent im Profiboxen ist nur der Ausgangspunkt. Die entscheidende Frage lautet: Wie verteilt sich diese Rate zwischen den Gewichtsklassen und den individuellen Kämpfern? Im Schwergewicht liegt sie deutlich höher, im Fliegengewicht deutlich niedriger. Ein Boxer mit einer persönlichen K.O.-Rate von 80 Prozent gegen einen Gegner, der noch nie vorzeitig gestoppt wurde, ergibt ein ganz anderes Szenario als zwei Techniker mit jeweils unter 30 Prozent.

Für die Method-of-Victory-Wette brauche ich also drei Datenpunkte: die individuellen K.O.-Raten beider Kämpfer, die historische Kampfdauer bei ähnlichen Stilkombinationen und die Gewichtsklasse. Je mehr Datenpunkte übereinstimmen, desto präziser wird die Prognose. Ein Beispiel: Wenn Boxer A 65 Prozent seiner Siege per K.O. holt, sein Gegner B in 4 von 5 Niederlagen per K.O. verloren hat und beide im Schwergewicht kämpfen, ist „Sieg Boxer A per K.O./TKO“ statistisch untermauert.

Die Quoten bei Method-of-Victory-Wetten sind attraktiver als bei der reinen Siegwette — oft doppelt so hoch oder mehr. Der Grund ist einfach: Der Buchmacher verteilt die Wahrscheinlichkeit auf mehr Ausgänge, und jeder einzelne wird entsprechend besser bezahlt. Allerdings steigt die Fehlerquote proportional. Hier geht es nicht um Gefühl, sondern um statistisch fundierte Einschätzungen. Wer keine Daten hat, sollte diese Wettart meiden.

Die Buchmachermarge liegt bei Boxwetten typischerweise zwischen 4 und 8 Prozent. Bei Method-of-Victory-Wetten mit vielen Ausgängen tendiert sie zum oberen Ende dieses Spektrums, weil mehr Ergebnisse mehr Spielraum für den Buchmacher bedeuten. Das muss in die Kalkulation einfließen — ein vermeintlich guter Preis relativiert sich schnell, wenn die Marge ihn auffrisst.

Kombiwetten und Spezialwetten beim Boxen

Die Versuchung ist groß: Drei Favoriten an einem Abend, alle mit Quoten zwischen 1,30 und 1,50, ergibt als Kombi eine Gesamtquote von knapp 3,00. Dreifacher Gewinn statt dreimal fast nichts. Klingt rational — ist es aber nicht, wenn man die Mathematik zu Ende denkt.

Eine Kombiwette verbindet mehrere Einzelwetten zu einem Tipp. Alle Auswahlen müssen richtig sein, damit die Wette gewinnt. Die Quoten werden miteinander multipliziert, was die potenzielle Auszahlung nach oben treibt — aber eben auch das Risiko. Drei Wetten mit jeweils 70 Prozent Trefferwahrscheinlichkeit ergeben als Kombi nur noch 34 Prozent. Das vergessen die meisten.

Im Boxen kommt ein weiteres Problem hinzu: Die Kämpfe finden oft an verschiedenen Abenden statt, in unterschiedlichen Gewichtsklassen, mit unterschiedlichen Dynamiken. Eine Kombiwette, die einen Schwergewichtskampf am Samstag mit einem Weltergewichtskampf am folgenden Freitag verbindet, ist analytisch völlig anders zu bewerten als eine Fußball-Kombi mit drei Bundesligaspielen am selben Spieltag. Die Korrelation zwischen den Ergebnissen ist null — was die Kombi zum reinen Multiplikator von Einzelrisiken macht.

Die Buchmachermarge verstärkt das Problem. Bei Einzelwetten zahle ich einmal Marge, bei einer Dreier-Kombi multipliziere ich drei Margen miteinander. Der Buchmacher profitiert überproportional, und genau deshalb werden Kombiwetten aggressiv beworben. Es ist das profitabelste Produkt für Wettanbieter — nicht für Wetter.

Gibt es Ausnahmen? Ja, aber sie sind eng definiert. Wenn ich an einem Kampfabend zwei oder drei Favoriten identifiziert habe, deren Siegwahrscheinlichkeit ich deutlich höher einschätze als der Markt, kann eine kleine Kombiwette als ergänzende Position neben meinen Einzelwetten sinnvoll sein. Der Schlüsselbegriff ist „ergänzend“ — die Kombi ersetzt nie die Einzelwette als Basisstrategie.

Spezialwetten verdienen eine separate Erwähnung. Manche Buchmacher bieten exotische Märkte an: Wird es einen Knockdown geben? Wird der Kampf über die volle Distanz gehen? Gewinnt der Außenseiter in den ersten vier Runden? Diese Props — Proposition Bets — sind analytisch anspruchsvoll, aber gelegentlich schlecht bepreist, weil der Buchmacher weniger Daten hat als bei Standardmärkten. Hier kann echte Expertise einen Vorteil verschaffen.

Mein Fazit zu Kombiwetten nach acht Jahren im Geschäft: Sie sind ein Gewürzregal, kein Grundnahrungsmittel. Wer seine Bankroll auf Kombis aufbaut, wird früher oder später an der Mathematik scheitern. Wer sie gelegentlich als Zusatz einsetzt — mit klarer Begründung für jede einzelne Auswahl —, kann den Spaßfaktor mitnehmen, ohne das System zu gefährden.

Welche Wettart zu welchem Kampf passt — Entscheidungshilfe

Boxen bietet besondere Chancen für strategische Wetter — die Überschaubarkeit des Sports ermöglicht tiefere Analyse und präzisere Vorhersagen als bei Mannschaftssportarten. Aber diese Präzision bringt nur dann etwas, wenn die Wettart zum Kampf passt. Ich habe mir über die Jahre ein einfaches Entscheidungsraster erarbeitet, das ich vor jeder Wette durchgehe.

Erster Schritt: Wie klar ist der Favorit? Wenn meine Analyse einen deutlichen Favoriten ergibt und die Quote mindestens 0,10 Punkte über meiner berechneten fairen Quote liegt, bleibt die Siegwette erste Wahl. Einfach, sauber, geringes Fehlerrisiko in der Wettart-Logik. Bei Favoritenquoten unter 1,25 wird es allerdings schwierig — die Marge frisst den Vorteil auf, und ich schaue mich nach Alternativen um.

Zweiter Schritt: Wie endet der Kampf? Wenn ich eine fundierte Meinung zur Art des Sieges habe — also ob K.O. oder Punktsieg wahrscheinlicher ist —, prüfe ich die Method-of-Victory-Quoten. Der Aufpreis gegenüber der Siegwette muss die zusätzliche Unsicherheit kompensieren. Meine Schwelle: Die Method-of-Victory-Quote sollte mindestens das 1,5-Fache der Siegquote betragen.

Dritter Schritt: Wie lange dauert der Kampf? Wenn zwei Boxer aufeinandertreffen, deren Stilkombination eine klare Tendenz zur Kampfdauer ergibt — etwa ein Druckkämpfer gegen einen Boxer mit notorisch schlechten Nehmerqualitäten —, wird Über/Unter zum primären Markt. Die Stärke dieser Wettart: Ich muss den Sieger nicht kennen. Ich muss nur die Dynamik verstehen.

Vierter Schritt: Habe ich Timing-Daten? Nur wenn ich belastbare Informationen darüber habe, wann ein Boxer typischerweise seine Kämpfe beendet, kommt die Rundenwette in Frage. Ohne diese Daten ist sie Spekulation. In den Grundlagen der Boxwetten habe ich beschrieben, warum datengestützte Entscheidungen in dieser Nische besonders gut funktionieren.

Was ich nie tue: Eine Wettart wählen, weil die Quote „gut aussieht“. Quoten sehen immer gut aus — das ist ihr Job. Die Frage ist nicht, ob der potenzielle Gewinn hoch ist, sondern ob die Wahrscheinlichkeit hoch genug ist, um den Preis zu rechtfertigen. Dieses Prinzip verbindet alle Wettarten und trennt strategisches Wetten von bloßem Hoffen.

Ein letzter Punkt, den Anfänger oft übersehen: Nicht jeder Kampf verdient eine Wette. Manchmal ergibt meine Analyse keinen klaren Vorteil bei keiner einzigen Wettart — und dann ist die richtige Entscheidung, gar nicht zu wetten. Der Boxkalender liefert rund 50 bis 60 echte Titelkämpfe pro Jahr, dazu hunderte Unterkämpfe. Es fehlt nie an Gelegenheiten. Was fehlt, ist die Disziplin, auf die richtige Gelegenheit zu warten und dann die passende Wettart dafür zu wählen.

Häufige Fragen zu Boxen Wettarten

Was ist eine Rundenwette beim Boxen und wann lohnt sie sich?

Eine Rundenwette ist ein Tipp auf die genaue Runde, in der ein Kampf endet. Sie lohnt sich, wenn belastbare Daten zur K.O.-Historie beider Boxer vorliegen und ein vorzeitiges Ende wahrscheinlich ist. Ohne solche Daten ist die Rundenwette reines Glücksspiel. Gruppenrunden-Wetten senken das Risiko bei moderateren Quoten.

Wie funktioniert die Über/Unter-Wette auf Runden?

Der Buchmacher setzt eine Rundenlinie, zum Beispiel 8,5 Runden. Wer ‚Über‘ wählt, gewinnt, wenn der Kampf mindestens bis in Runde 9 geht. Wer ‚Unter‘ wählt, gewinnt bei einem Ende in Runde 8 oder früher. Die halbe Runde verhindert ein Unentschieden in der Wette. Die Gewichtsklasse und die Kampfstile beider Boxer sind entscheidend für die Einschätzung.

Was unterscheidet eine Kombiwette von einer Einzelwette beim Boxen?

Eine Einzelwette steht für sich — ein Kampf, ein Tipp. Eine Kombiwette verbindet mehrere Tipps, wobei alle richtig sein müssen. Die Quoten werden multipliziert, was höhere Gewinne ermöglicht, aber die Gesamtwahrscheinlichkeit sinkt drastisch. Drei Tipps mit je 70 Prozent Trefferchance ergeben als Kombi nur 34 Prozent.

Welche Wettart eignet sich am besten für Anfänger?

Die Siegwette ist der ideale Einstieg, weil sie nur eine Entscheidung verlangt: Wer gewinnt? Die 2-Wege-Moneyline ist dabei die sicherste Variante, da ein Unentschieden den Einsatz zurückgibt. Anfänger sollten Rundenwetten und Kombis zunächst meiden und sich auf die Analyse der Siegwahrscheinlichkeit konzentrieren.

Erstellt von der Redaktion von „Wetten auf Boxen“.